Dieser schöne Satz begegnet einem momentan häufiger. Noch schöner finde ich den Satz, der heute im Fachschaftsraum die Runde machte: "Für Physiker ist jeder Tag Wochenende, aber Physiker arbeiten eben auch am Wochenende".
Auch wenn mir nicht nach Bildungsstreik zu Mute ist, da die Studienbedingungen für Physik eigentlich exzellent sind. Physik war schon immer ein Fach, wo man zeitlich maximalst ausgelastet ist und das Praktikum ab nächster Woche wird sein restliches dazu geben. Da ändert jetzt der Bachelor auch nichtmehr so viel.
Mein einziges Sorgenkind ist irgendwie die Informatikvorlesung. Nach nunmehr 1 1/2 Monaten Vorlesungen haben wir bereits Entwurfsmuster erreicht und sollen in der heute Abend erschienenen Übung einen LinkedList Datentyp implementieren, ein UML Diagramm einer Vorlesungs-/Studentenverwaltungsschnittstelle schreiben und dieses anschließend implementieren. Als ich im letzten Tutorium mal für alle Leute, die nicht 2 Jahre vor ihrem Studium jeden Tag mehrere Stunden mit der Programmierung für ein Webframework verbracht haben und daher mit den Übungen keine weiteren Probleme haben, das Wort ergriffen und den Unmut vieler Komilitonen in Worte gefasst: Die Niveausteigerung ist unangemessen und 80% des Kurses ist so gut wie abgehängt. Pro Übungsblatt benötigt die Hälfte des Kurses mittlerweile mehr als 8 Stunden Bearbeitungszeit, die Vorlesung ist leergefegt (nein, keine Schweinegrippe), weil sie einem für die Übungen nichts bringt und auf einem viel zu trockenem, theoretischem Level bewegt.
In der ersten Vorlesungen fragte jemand "Müssen wir Java können?". Promt kam die Antwort "Nein, das bringen wir ihnen bei!". In meinen Augen Pustekuchen. Von Programmieranfängern nach nur 1 1/2 Monaten Vorlesung UML Diagramme, sowie konzeptioniere Objekt-orientierte Programmierung zu verlangen ist in meinen Augen Schwachsinn und da wirkt dann eine Mail des Übungsgruppenleiters, mit Drohungen, wenn Übungen abgeschrieben werden (sei es von Komilitonen oder vom großen Bruder Google), wie blanker Hohn.
Mir tut es für all diejenigen, die sich hier auf das Lehrangebot verlassen haben Leid, denn ich denke, dass man wenn es so weiter geht aus diesem Kurs nicht viel mitnehmen können wird, da man bei einem solchen Druck kaum Zeit hat, sich wirklich in Ruhe mit den Konzepten der Informatik, insbesondere der praktischen Informatik, auseinander zu setzen. Noch polsterst mich mein Vorwissen ab, aber ich weiß nicht wie lange das noch reicht bei diesem Tempo.
Generell ist das Unileben aber sehr schön, auch wenn ich aus den Vorlesungen und Übungsgruppen heraus per iPhone supporten muss, oder Bestellungen bearbeite. Zeit wird zum kostbarstem Gut und wenn mich mein alter Schulfreund, der ebenfalls an der Uni Konstanz VWL studiert dann an einem Donnerstag fragt "Warst du gestern in der Blechnerei?" (= Club in Konstanz), dann kann ich nur antworten "Nein, ich studiere Physik". Darauf folgt dann die Frage "Hast du morgen Uni?" "Ich sagte doch schon, ich studiere Physik!". Dennoch, das Studieren ist eine sehr schöne Sache, es ist enorm interessant, welche Werkzeuge einem durch Physik und Mathe an die Hand gegeben werden, um diese Welt mehr oder weniger exakt zu beschreiben, als nur im philosophierendem Blabla rumzueiern.
Auf die Zukunft